HÄUFIGE FRAGEN
Die schottischen Highland Games haben eine faszinierende Geschichte – allerdings ist die oft erzählte Version vom „uralten keltischen Wettkampf“ nur teilweise historisch belegt. Ihre heutigen Disziplinen entstanden aus einer Mischung aus Clantradition, militärischer Körperertüchtigung, Volksfesten und später organisiertem Sport.
Von den Clans zu den ersten Wettkämpfen
Der Überlieferung nach reichen die Ursprünge bis ins 11. Jahrhundert zurück. Besonders häufig wird König Malcolm III. von Schottland (Regierungszeit 1058–1093) genannt. Er soll Männer zu einem Lauf auf den Hügel Creag Choinnich bei Braemar aufgefordert haben, um den schnellsten Läufer als königlichen Boten auszuwählen.
Ob dieses Ereignis tatsächlich der Ursprung der Highland Games war, lässt sich historisch nicht sicher nachweisen. Es zeigt aber, woher viele der späteren Wettkämpfe vermutlich stammen: Stärke, Ausdauer und praktische Fähigkeiten waren in den Highlands von großer Bedeutung.
Auch die schweren Disziplinen lassen sich gut aus diesem Umfeld erklären. Steine wurden gestoßen, schwere Gewichte getragen oder geworfen und Baumstämme bewegt. Daraus entwickelten sich später die berühmten Heavy Events.
Wettkämpfe zwischen den Clans
Über Jahrhunderte waren Zusammenkünfte der Highland-Clans wichtige gesellschaftliche Ereignisse. Dort wurde nicht nur gefeiert und musiziert, sondern Männer konnten ihre körperlichen Fähigkeiten miteinander vergleichen.
Das hatte durchaus praktischen Nutzen. Ein guter Läufer konnte als Bote eingesetzt werden, ein kräftiger Mann war für schwere Arbeiten und natürlich auch als Kämpfer wertvoll. Gleichzeitig dienten solche Wettkämpfe dem Prestige eines Clans.
Neben Kraft und Ausdauer gehörten Musik, Tanz und Dudelsackspiel zu diesen Zusammenkünften. Genau diese Verbindung ist bis heute typisch: Highlandgames sind nicht einfach ein Sportwettkampf, sondern auch ein Stück schottischer Kultur.
Das Verbot der Highland-Kultur
Ein großer Einschnitt kam nach dem gescheiterten Jakobitenaufstand von 1745/46. Nach der Niederlage bei Culloden versuchte die britische Regierung, die traditionelle Clanstruktur der Highlands zu schwächen. Waffenbesitz und Teile der Highland-Kultur wurden stark eingeschränkt; auch das Tragen bestimmter Highland-Kleidung wurde zeitweise verboten.
Die traditionelle Clanwelt veränderte sich dadurch erheblich.
Interessanterweise begann im späten 18. und vor allem im 19. Jahrhundert gleichzeitig eine romantische Wiederentdeckung der schottischen Highland-Kultur. Tartans, Kilts, Dudelsackmusik und Clantraditionen wurden zunehmend zu Symbolen einer schottischen Identität.
Die modernen Highland Games entstehen
Die Highland Games, wie wir sie heute kennen, entstanden deshalb vor allem im 19. Jahrhundert.
Eine besonders bekannte Veranstaltung ist das Braemar Gathering. Königin Victoria besuchte die Veranstaltung 1848; die Verbindung zur königlichen Familie machte Braemar später international bekannt.
In dieser Zeit wurden aus regional unterschiedlichen Kraftproben zunehmend standardisierte Wettkampfdisziplinen. Daraus entstanden die klassischen Heavy Events, die man heute weltweit mit Highlandgames verbindet:
* Caber Toss – Baumstammüberschlag
* Putting the Stone – Steinstoßen
* Weight for Distance – Gewichtsweitwurf
* Weight over Bar / Weight for Height – Gewichtshochwurf
* Scottish Hammer Throw – schottischer Hammerwurf
* Sheaf Toss – Strohsackwurf
Gerade beim Caber Toss gibt es viele Legenden. Oft wird behauptet, Highlander hätten Baumstämme benutzt, um Bäche oder Schluchten zu überwinden. Das klingt großartig, ist aber historisch kaum belastbar. Sicher ist dagegen, dass sich der Caber Toss zu einer der charakteristischsten schottischen Kraftsportdisziplinen entwickelte.
Vom schottischen Volksfest zum internationalen Sport
Mit der Auswanderung vieler Schotten verbreiteten sich Highland Games anschließend weltweit. Schottische Gemeinschaften gründeten Games unter anderem in Kanada, den USA, Australien und Neuseeland.
Heute existieren Veranstaltungen praktisch auf der ganzen Welt. Dabei haben sich unterschiedliche Formen entwickelt: traditionelle schottische Gatherings, streng sportlich ausgerichtete Heavy Events und moderne Highlandgames mit zusätzlichen Teamdisziplinen.
Und genau daraus erklärt sich auch der Charakter heutiger deutscher Highlandgames, wie ihr ihn bei den Black Mill Knights lebt: Kraftsport, Mannschaftswettkampf und schottische Tradition treffen auf Volksfest und Gemeinschaft. Disziplinen wie Caber Toss, Stone Put oder Weight for Height haben einen direkten Bezug zu den klassischen Heavy Events, während Teamdisziplinen, Parcours und Tauziehen die moderne Weiterentwicklung darstellen.
Die Distel (Thistle) gehört neben dem Einhorn, dem Saltire und dem Löwen zu den bekanntesten Symbolen Schottlands. Warum ausgerechnet eine stachelige Pflanze zum Nationalsymbol wurde, hängt vor allem mit einer berühmten Legende zusammen.
Der Überlieferung nach wollten feindliche Krieger – häufig werden Wikinger genannt – nachts ein schottisches Lager überraschen. Um sich möglichst geräuschlos anzuschleichen, sollen sie ihre Schuhe ausgezogen haben.
Doch einer der Angreifer trat barfuß auf eine Distel.
Der Schmerz war offenbar groß genug, dass er aufschrie. Die schottischen Krieger wurden dadurch geweckt, konnten sich verteidigen und schlugen den Angriff zurück.
Die unscheinbare Distel soll damit – zumindest der Legende nach – Schottland
gerettet haben.
Ihre Symbolik passt hervorragend zum Selbstbild der Highlands:
unscheinbar, widerstandsfähig und wehrhaft.
Wer sie in Ruhe lässt, dem tut sie nichts. Wer sie jedoch packen oder zertreten möchte, bekommt ihre Stacheln zu spüren.
Die Distel wurde spätestens im 15. Jahrhundert nachweisbar als schottisches königliches Symbol verwendet. Unter König James III. tauchte sie unter anderem auf schottischen Münzen auf.
Später entstand sogar der Order of the Thistle (Distelorden), einer der höchsten Ritterorden des Vereinigten Königreichs und besonders mit Schottland verbunden.
Und dazu passt ein berühmter schottischer Wahlspruch
„Nemo me impune lacessit.“
Lateinisch für ungefähr:
„Niemand greift mich ungestraft an.“
Das Zusammenspiel von Distel und Wahlspruch bringt die Symbolik ziemlich gut auf den Punkt: Die Distel wirkt zunächst klein und harmlos – aber sie kann sich verteidigen.
Das Einhorn ist tatsächlich das schottische Nationaltier – und das schon seit Jahrhunderten.
Seine Verbindung zu Schottland geht bis ins Mittelalter zurück. In der damaligen Mythologie galt das Einhorn als wild, stolz, mutig und nahezu unbezwingbar. Gleichzeitig stand es für Reinheit und Stärke. Eigenschaften, mit denen sich die schottischen Herrscher offenbar ziemlich gut identifizieren konnten.
Besonders wichtig wurde das Einhorn unter König Wilhelm I. von Schottland im 12. Jahrhundert; im Laufe der folgenden Jahrhunderte etablierte es sich immer stärker in der schottischen Heraldik. Unter Jakob III. im 15. Jahrhundert erschienen Einhörner sogar auf schottischen Münzen.
Spannend ist vor allem die Darstellung: Das schottische Einhorn trägt häufig eine goldene Kette um den Hals. Das wirkt zunächst widersprüchlich, denn gerade das Einhorn galt als Tier, das sich nicht zähmen lässt. Die Kette wird deshalb häufig als Symbol dafür interpretiert, dass selbst eine solch mächtige und wilde Kreatur unter der Autorität des Königs steht.
England gegen Schottland
Nach der Vereinigung der Kronen 1603 wurde es noch symbolträchtiger. Im britischen Königswappen stehen sich seitdem zwei Wappentiere gegenüber:
Der Löwe steht für England – das Einhorn für Schottland.
In alten Legenden galten Löwe und Einhorn sogar als natürliche Rivalen. Daher passt ihre gemeinsame Verwendung hervorragend zur Geschichte der beiden Königreiche.
Der Kilt ist heute eines der bekanntesten Symbole Schottlands – seine Geschichte ist aber etwas anders, als viele denken. Der klassische kurze Kilt ist nämlich nicht uralt, sondern entwickelte sich erst im 18. Jahrhundert.
Ab etwa dem 16. Jahrhundert trugen Männer in den schottischen Highlands den sogenannten Féileadh Mòr – auf Englisch Great Kilt oder Belted Plaid. Das war ein mehrere Meter langes Stück Wollstoff.
Der untere Teil wurde in Falten gelegt und mit einem Gürtel um die Hüfte befestigt. Der restliche Stoff konnte über die Schulter gelegt oder bei schlechtem Wetter als Mantel, Kapuze oder sogar Decke benutzt werden. Für Menschen, die viel draußen und in schwierigem Gelände unterwegs waren, war das ausgesprochen praktisch.
Im 18. Jahrhundert entwickelte sich daraus der kürzere *Féileadh Beag („kleiner Kilt“) *. Dabei blieb im Wesentlichen nur der gefaltete untere Teil übrig. Diese Form entspricht bereits ziemlich stark dem Kilt, wie wir ihn heute kennen.
Nach dem Jakobitenaufstand von 1745 wurde Highland-Kleidung durch den britischen Staat zeitweise stark eingeschränkt. Mit dem Dress Act von 1746 wurde das Tragen bestimmter Highland-Kleidung – darunter Tartans und Kilts – für große Teile der männlichen Bevölkerung der Highlands verboten. 1782 wurde dieses Verbot wieder aufgehoben.
Ironischerweise entwickelte sich der Kilt danach erst recht zu einem starken Symbol schottischer Identität und Tradition.